Braucht der Körper Zucker?!

By Daniel Schröder | Abnehmen

Jul 07
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Heute hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Herrn im Fitnessstudio. Es ging um die Themen "Süßes" und "Zucker". Er sagte, dass es für ihn kein Problem sei, auf Süßes zu verzichten. Er isst Süßes aber trotzdem.

Ich fragte, weshalb er das macht, denn er könne seinen Zuckerkonsum ja scheinbar problemlos reduzieren.

Er antwortete mit einem Satz, den ich so ähnlich schon öfter gehört habe. Er sagte, dass sein Körper Zucker braucht - und deshalb isst er Süßes/Zucker.

Ich sagte ihm, dass es richtig ist, dass unser Körper Zucker benötigt. Dennoch kann der Körper diesen Zucker aus sämtlichen Kohlenhydraten (und sogar aus weiteren Substanzen) gewinnen. Dazu müsse man kein Zucker essen.

Ich habe an dieser Stelle den Begriff Gluconeogenese absichtlich nicht in den Raum geworfen, um ihn nicht völlig zu verwirren.

Ich dachte mir, dass hier etwas Aufklärungsarbeit nicht schlecht wäre.

Also wenn auch du dich fragst, „braucht der Körper Zucker?“, dann bist du hier genau richtig.

Am Ende ist alles Zucker!

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Direkt vorab:

Das, was am Schluss aus allen diesen Kohlenhydraten im Körper wird, ist Einfachzucker (Glucose oder Fructose).

Viele Definieren Zucker nämlich einfach als den weißen, kristallenden, süßen und wasserlöslichen Haushaltszucker. So, wie er oben abgebildet ist.

Es ist aber eigentlich so, dass es viele verschiedene Arten von Zucker gibt.

Schau dir dazu diese Grafik an und ganz besonders den untersten Teil. Der Übersicht halber sind nur die wichtigsten Ausprägungen aufgelistet:

braucht der körper zucker

Selbst Vollkornnudeln bestehen aus Stärke, also einem Vielfachzucker. Dieser wird im Rahmen der Verdauung aufgespalten, bis nur noch Zucker in Form von Glucose übrig bleibt.

Man nennt sie deshalb auch komplexe Kohlenhydrate, oder langkettige Kohlenhydrate.

Will heißen:

Den Zucker, den der Körper benötigt, kann er auch aus langkettigen Kohlenhydraten, wie Vollkornnudeln beziehen.

Wie das geht, schauen wir uns jetzt an!

Verdauung von Kohlenhydraten

Egal, ob Vollkornnudeln, Toast oder Gummibärchen. Die Kohlenhydratketten (die unterschiedlich lang sind) werden aufgebröselt, bis sie Einfachzucker sind.

Denn nicht die Nudel selber, sondern ihre kleinsten Bestandteile werden in das Blut freigesetzt.

Bedeutet außerdem, dass Einfachzucker (Glucose und Fructose) nach Verzehr nicht weiter aufgeteilt werden.

Die Verdauung von Kohlenhydraten beginnt bereits im Mund, setzt sich im Magen fort und findet im Dünndarm langsam sein Ende. Dort werden letztendlich Glucose und Fructose über die Darmschleimhaut in das Blut abgegeben.

Die Glucose im Blut ist dabei der ausschlaggebende Grund, weshalb nach dem Essen (oder Trinken) der Blutzuckerspiegel ansteigt.

Der Zucker im Blut schwirrt dort aber nicht planlos durch die Gegend, sondern wird in Glykogenspeichern der Leber und Muskulatur eingespeichert, als Fettreserve gespeichert oder direkt zur Energiegewinnung genutzt.

An dieser Stelle kommt unsere Bauchspeicheldrüse zum Einsatz, die jetzt eine wichtige Rolle spielt.

In diesem Fall ist ihre Aufgabe, bei erhöhtem Blutzuckerspiegel Insulin in das Blut freizugeben. Das Insulin fungiert dann quasi wie ein Schlüssel zur Zelle.

Bei gesunden Menschen kommt die Bauchspeicheldrüse ihrer Aufgabe problemlos nach. Bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes-Mellitus Typ 1, produziert die Bauchspeicheldrüse jedoch nicht mehr ausreichend Insulin. Das ist der Grund, weshalb sich Diabetiker selber Insulin spritzen müssen, um den Blutzuckerspiegel zu senken.
Der Glykämische Index (GI) gibt an, wie schnell (oder langsam) Kohlenhydrate aus der Nahrung in das Blut aufgenommen werden. Kurzkettige Kohlenhydrate wie Haushaltszucker gelangen deutlich schneller ins Blut, als langkettige Kohlenhydrate, wie aus Vollkornnudeln. Diese nehmen mehr Zeit in Anspruch, weil sie erst noch in Einfachzucker (Glucose) aufgespaltet werden müssen, um ins Blut zu gelangen.

Braucht unser Körper nun Zucker?

Prinzipiell müsste man die Frage mit „Ja“ beantworten, denn der Körper braucht Zucker. Diesen Zucker holt er sich bei Bedarf aus dem Blut.

Allerdings ist eben vielen Menschen nicht bewusst, dass dieser Zucker, der in das Blut gelangt, nicht extern (bspw. als Haushaltszucker) aufgenommen werden muss!

Den Zucker, den der Körper benötigt, kann er theoretisch (und praktisch) sogar selber herstellen.

Denn: Der Blutzuckerspiegel hält sich immer in bestimmten Grenzen auf, auch wenn keine Kohlenhydrate durch die Nahrung aufgenommen wurden.

Wie kann das sein?!

WOFÜR braucht der Körper Zucker?

  • Anaerobe Energiebereitstellung

Kohlenhydrate sind der Hauptenergielieferant des menschlichen Organismus. Unter anderem sind Muskelarbeit und Hirnaktivitäten darauf angewiesen.

Sie sind im Gegensatz zu Fetten schneller verwertbar, da sie ohne Beteiligung von Sauerstoff Energie liefern (anaerob).

Die akute Energieversorgung des Körpers wird hauptsächlich über die im Blut gelöste Glucose gewährleistet.

  • Energieversorgung des Gehirns

Unser Gehirn wird nicht mit Kohle betrieben.

Da unser Gehirn einen recht hohen Energiebedarf hat (ca. 20 % des Grundumsatzes), muss irgendwo die entsprechende Art von Energie vorliegen, mit der das Gehirn auch arbeiten kann.

Der tägliche Glucosebedarf eines erwachsenden Menschen beträgt bereits im Ruhezustand ungefähr 200 g, wobei davon allein 75 % vom Gehirn genutzt werden.

Kohlenhydrate oder Zucker?

Diese Überschrift ist eigentlich nur ein Test. 😛 Du weißt ja jetzt, dass es da kein „oder“ geben kann.

Denn: Jede Form von Zucker sind Kohlenhydrate.

Und jede Form von Kohlenhydraten (ausgenommen Fructose) wird Zucker in Form von Glucose.

Wie entsteht Zucker im Körper?

Zurück zu der Frage, wie es sein kann, dass der Blutzuckerspiegel im Normalbereich liegt, ohne dass man Kohlenhydrate, also letztendlich Zucker, zu sich genommen hat.

Die Frage ist jetzt, wie bleibt das System Mensch noch am laufen?

Aber auch da wurde bei der Konstruktion des Mensche mitgedacht. 🙂

Unser Körper kann Kohlenhydrate selbst herstellen, aus körpereigener Substanz. Beispielsweise aus Körperfett oder körpereigenem Eiweiß (Muskulatur).

Stichwort: Gluconeogenese.

Weiterhin kann der Körper Glucose aus den Glykogenspeichern der Leber oder den Muskeln beziehen. In diesen Speichern können 400 – 1000 g Kohlenhydrate eingelagert werden. Das ist davon abhängig, wie ausgeprägt die Muskulatur und deren Speicherkapazität an Glykogen ist.

Aber nicht zu früh gefreut!

Viele denken, dass der Körper auch Fett zu Muskelmasse umwandeln kann, oder ähnlich gewagte Theorien.

Falls auch du das denkst, dann muss ich dich enttäuschen.

Was stattdessen geht:

braucht unser körper zucker

Zusammenfassung

Unser Körper benötigt Zucker – das ist korrekt.

Oftmals wird „Zucker“ als Haushaltszucker interpretiert. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Selbst komplexe, langkettige Kohlenhydrate, wie Vollkornnudeln werden im Körper so weit aufgespalten, bis auch sie Einfachzucker sind. Erst dann können sie in Form von Glucose (oder Fructose) ins Blut gelangen.

Es ist also nicht notwendig, dem Körper (Haushalts-)Zucker oder Süßes zuzuführen, nur mit dem Argument, dass der Körper Zucker braucht!

Selbst wenn man gar keine Kohlenhydrate zu sich nimmt, ist der Blutzuckerspiegel konstant. Das ist deshalb so, weil der Körper u.a. aus Körperfett, der Muskulatur oder den Glykogenspeichern Zucker beziehen kann.

Was sagst du?

War der kurze Artikel für dich hilfreich, oder sind dir längere Artikel lieber? Heute habe ich mich wirklich kurz gehalten. Ich hoffe aber, dass sich einige Frage geklärt haben.

Wenn sich für dich dennoch Fragen ergeben haben, dann schreib sie gerne unten in die Kommentare. Auch diese möchte ich natürlich beantworten.

Über den Autor

Daniel Schröder ist 30 Jahre alt und der Gründer von caloright®. Er bloggt mit Leidenschaft über die Themen Ernährung, Abnehmen und Fitness. Daniel reizt es besonders, auch unkonventionelle Wege zu gehen und seinen Körper bewusst an Grenzen zu führen, um so die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken. Mit seinem Abnehmblog möchte er Orientierungslosen, insbesondere nach gescheiterten Diäten, seinen Weg zeigen, um aus dem Ernährungs- und Diätlabyrinth hinaus zu finden. Er steht für eine langfristige und kontrollierte Gewichtsreduktion.

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