Fett und Kohlenhydrate trennen

By Daniel Schröder | Abnehmen

Jul 21
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Schon mal davon gehört, beim Abnehmen Fett und Kohlenhydrate zu trennen?

Damit ist nicht gemeint, Fett und Kohlenhydrate von verschiedenen Tellern zu essen, sondern deren Verzehr zeitlich zu trennen.

In diesem Artikel erfährst du, was genau hinter diesem „Abnehmtrick“ steckt, warum da etwas Wahres dran ist, aber auch, weshalb es dir fürs Abnehmen keinen nennenswerten Vorteil bringt. 😉

Fett und Kohlenhydrate trennen – Warum überhaupt?!

Der Grund für diese Empfehlung:

Kohlenhydrate erhöhen nach deren Verzehr den Blutzuckerspiegel.

Warum das ein Problem zu sein scheint, möchte ich kurz aufklären. Aber vorher etwas zum Blutzuckerspiegel, um den ganzen Hokuspokus besser nachvollziehen zu können.

Es gibt Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schneller in die Höhe treiben (Kohlenhydrate mit einem hohen glykämischen Index) und andere, die weniger Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben (Kohlenhydrate mit niedrigem Glykämischen Index).

Haushaltszucker beispielsweise hat einen hohen GI und Haferflocken einen niedrigen.

Wenn du Kohlenhydrate isst, werden diese im Anschluss in Form von Glucose im Blut transportiert. Fruchtzucker ist hier eine kleine Ausnahme, auf die ich in diesem Artikel näher eingegangen bin:

Macht Obst dick?

Da der Blutzuckerspiegel in einem bestimmten Rahmen gehalten wird, ist dein Körper darauf bedacht, diese Glucose aus dem Blut wieder heraus zu bekommen.

An dieser Stelle hilft das Hormon Insulin.

Insulin hat genau die Eigenschaft, die benötigt wird, um Glucose aus dem Blut heraus in die Zellen des Körpers einzulagern. Beispielsweise dort hin, wo sie gebraucht/eingespeichert werden.

Insulin ist so lange im Blut, bis sich der Blutzuckerspiegel wieder auf das Ausgangsniveau reduziert hat.

Randnotiz
Der Blutzucker-Normalbereich ist nüchtern ungefähr zwischen 60 – 100 mg/dl und nach dem Essen zwischen 90 – 140 mg/dl.

Blutzucker- und Insulinspiegel haben vereinfacht eine ähnliche Kurve, leicht zeitversetzt. Steigt der Blutzuckerspiegel, so steigt auch der Insulinspiegel.

Hier eine Grafik, die das veranschaulicht. Abgebildet ist der Verlauf von Insulin-Glucagon-GLP1 nach Habener.

Der Blutzuckerverlauf entspricht dabei in etwa der grünen Kurve (GLP1).

fett und kohlenhydrate trennen

Problem beim Verzehr von Fett und Kohlenhydraten

Durch die einlagernde Funktion von Insulin, schleust es nicht nur Kohlenhydrate aus dem Blut in die entsprechenden Zellen, sondern auch Lipide, also Fett, das sich im Blut befindet, in die Fettzellen.

Und hier schließt sich der Argumentationskreis von den Verfechtern dieser Trennkost-Methode.

Isst du Fett gleichzeitig mit Kohlenhydraten, ist sowohl Fett als auch Insulin gleichzeitig im Blut. Demnach wird auch das Fett eingelagert.

Im Umkehrschluss: Ist kein Fett im Blut, während der Insulinspiegel wegen der Kohlenhydrate erhöht ist, kann auch kein Fett eingelagert werden.

Soviel zur Theorie dahinter.

Das ist der Zusammenhang, warum dazu geraten wird, diese beiden Makronährstoffe beim Verzehr zu trennen.

Halten wir fest:

  • Isst du Kohlenhydrate, erhöht sich dein Blutzuckerspiegel
  • Erhöht sich dein Blutzuckerspiegel, erhöht sich auch dein Insulinspiegel
  • Insulin schleust Nährstoffe (auch Fett) aus dem Blut in die (Fett-)Zellen

Warum die Trennung dennoch NICHT hilft:

1. Die Kalorienbilanz entscheidet

Ganz egal, wie sehr du dein Essen trennst, du wirst damit zunehmen, wenn du mehr Kalorien zu dir nimmst, als du verbrauchst. Zumindest, wenn du gesund bist und keine Stoffwechselstörungen vorliegen, die nicht behandelt werden.

Abbauende, also freisetzende und aufbauende, also einlagernde Prozesse finden ununterbrochen im Körper statt.

Die Kalorienbilanz entscheidet, was von beidem über einen gewissen Zeitraum überwiegt.

Solltest du mehr Kalorien zu dir nehmen, als du verbrauchst, dann wirst du zunehmen. Auch dann, wenn du artig dein Essen getrennt hast.

Denn während auf der einen Seite Fett eingelagert wird, werden gleichzeitig auf der anderen Seite andere Fettspeicher angegangen, mit dem Unterschied, dass der Fettabbau überwiegt.

Mehr über diese Stoffwechselprozesse kannst du hier nachlesen:

2. Insulinogener Einfluss von Fett und Eiweiß

Wie weiter oben erwähnt, haben Kohlenhydrate einen Einfluss auf den Insulinspiegel.

Blöd nur, dass den Verfechtern dieser Methode entgangen ist, dass auch Fett und Eiweiß einen Einfluss auf die Insulinausschüttung haben.

Dies ist am Rande erwähnt auch ein Grund dafür, weshalb Diabetiker nicht nur ihren Insulinbedarf an den Kohlenhydraten, sondern auch an Eiweiß und Fett berechnen sollten.

Für Diabetiker (Typ 1) gilt es hier also auch, neben der Broteinheit (BE) auch die Fett-Protein-Einheit (FPE) zu beachten.

3. Magenverweildauer

Ein weiterer Punkt, den man bei der Überlegung vergessen hat, ist die Magenverweildauer der Nahrung, die verzehrt wird.

Es ist nicht so, dass die Nahrung binnen Sekunden im Blut ankommt.

Da vergehen je nach Art, Zusammensetzung und Menge der Nahrung gerne mehrere Stunden.

Alleine im Magen verweilt der Nahrungsbrei, der im Mund bereits vorverdaut wird, teilweise über mehrere Stunden, bis jeweils geringe Mengen davon nacheinander in den Dünndarm gelangen.

Und das ist noch nicht alles.

Nicht nur der Zeitraum der Verdauung zieht sich teils über mehrere Stunden, sondern auch der Zeitraum, in dem sich Insulin im Blut befindet.

Wie du auch oben an der Grafik erkennst, ist der Insulinanstieg eine Kurve über einen längeren Zeitraum hinweg.

Es ist nicht so, dass der Insulinspiegel nach einer Mahlzeit für 5 Minuten erhöht ist und danach wieder auf das Ausgangsniveau abflacht.

Generell ist der Faktor Zeit also ein weiteres deutliches Gegenargument für diese Diätmethode.

4. Weitere Stoffwechselprozesse

Nicht nur Fett, das über die Nahrungsaufnahme im Körper landet, kann später als Körperfett eingelagert werden, sondern auch Kohlenhydrate und Eiweiß, welches verzehrt wird.

Du solltest also im Hinterkopf behalten, dass sogar ohne Fettaufnahme durch die Nahrung ein Fettaufbau im Körper stattfindet kann.

Kohlenhydrate und Eiweiß aus der Nahrung werden vom Körper problemlos in Fett umgewandelt, wenn zu viele Kalorien aufgenommen werden.

Und wo wir schon dabei sind:

Es können sich auch Kohlenhydrate im Blut befinden, ohne dass Kohlenhydrate mit der Nahrung aufgenommen worden sind.

Lebenswichtige Funktionen, beispielsweise die des Gehirns, werden mit Glucose sichergestellt.

Sollte diese nicht durch Nahrung aufgenommen werden, so kann körpereigene Substanz, wie Glykogenspeicher, Muskulatur und Fett dazu genutzt werden, sie in Glucose umzuwandeln.

Im Grunde dürfte man nach dieser Methode nie mehr Fett über die Nahrung zu sich nehmen.

5. Mangelnde Umsetzbarkeit

Solltest du dich trotz allen Gegenargumenten für diese Methode entscheiden, so solltest du dir auch die Frage stellen, wie lange du das umsetzen möchtest oder kannst.

Es kann darauf hinauslaufen, dass du dich völlig verrückt machst, keine Kohlenhydrate mehr zu essen, kein Fett mehr zu essen oder generell einen Insulinanstieg zu vermeiden.

Wenn du sichergehen möchtest, müsstest du dir ein Messgerät besorgen, um deinen Blutzuckerspiegel und Insulinspiegel zu beobachten, um genau dann erst Fett zu essen, wenn die Werte wieder im Normalbereich liegen.

Aber vergiss nicht, dass auch gerade Fett mehrere Stunden benötigt, um ins Blut zu gelangen.

Außerdem solltest du bedenken, dass es schwierig im Alltag ist, Lebensmittel zu finden, die nur aus einem Makronährstoff bestehen.

Es soll an dieser Stelle noch gesagt sein, dass Fett nicht unser Feind ist. Fett ist ein wesentlicher, überlebenswichtiger Nährstoff für den menschlichen Körper.

6. Falsche Einstellung

Wir Menschen suchen gerne nach Abkürzungen und schnellen Methoden, um unsere Ziele zu erreichen. Einfach Fett und Kohlenhydrate zu trennen und damit abnehmen klingt verlockend und findet deshalb auch regelmäßig Anklang.

Mit diesem Ansatz wird man früher oder später in Schwierigkeiten geraten, weil man sich von den wesentlichen Einflussfaktoren für eine Körperfettreduktion entfernt und sich einfach darauf verlässt, dass durch diese Trennung eine Fettreduktion stattfindet.

Das ist quasi wie zurücklehnen und zuschauen, der Rest wird schon von alleine. Aber so funktioniert das leider nicht, bzw. nicht langfristig.

Die Prioritäten sollten darauf liegen, sich mit der Kalorienbilanz, den Makro- und Mikronährstoffen zu befassen. Wenn man das im Griff hat, wird man sein Körpergewicht in die Richtung lenken können, die gewünscht ist.

Und das, ohne irgendwelche Nahrungsmittel zu trennen.

Zusammenfassung

Die anfängliche Überlegung, auf der dieses Konzept beruht, war gar nicht so schlecht.

Fett und Kohlenhydrate in der Ernährung zu trennen, klingt erst einmal schlüssig, wenn man bedenkt, dass Insulin durch Kohlenhydrate beeinflusst wird und des Weiteren auch Nährstoffe, wie Fett aus dem Blut in die Zellen einlagert werden.

Allerdings hat man hier nicht weit genug gedacht.

Davon abgesehen, dass die Kalorienbilanz am Ende entscheidet, ob aufbauende oder abbauende Prozesse überwiegen, ist die Magenverweildauer der aufgenommenen Nahrung, sowie die zeitlichen Aspekte des Blutzucker- und Insulinanstiegs im Blut ein klares Gegenargument.

Die Umsetzbarkeit ist langfristig aus meiner Sicht unmöglich und selbst auf kurze Sicht nicht gegeben.

Ich sehe eher die Gefahr, dass man sich zu sehr auf Kleinigkeiten versteift, die nur einen unwesentlichen Einfluss auf den Körperfettabbau haben, anstatt sich mit den wesentlichen Dingen, nämlich der Kalorienbilanz, auseinanderzusetzen.

Das Ganze kann schlimmstenfalls dazu führen, dass man in eine Art Essstörung gelangt und immer wieder Problemde damit haben wird, „normal“ zu essen.

Am Ende wird man entweder den Kohlenhydraten die Schuld geben, oder dem Fett. Obwohl man sich hier selbst die Schuld geben müsste, weil man auf diese Methode vertraut.

Da ich hier für langfristige und umsetzbare Methoden stehe, kann ich davon nur abraten.

In meinem Abnehm-Projekt werde ich übrigens absichtlich nie Trennkost betreiben. Du wirst sehen, dass ich trotzdem wunderbar abnehme. 🙂

Was sagst du? 🙂

Ich habe versucht, den Artikel so neutral wie möglich zu schreiben, aber ich muss auch zugeben, dass er sich aufgrund der vielen Gründe dagegen etwas einseitig anhört.

Ich habe aber trotz langer Überlegungen keinen sinnvollen Vorteil an dieser Methode gefunden, obwohl ich vor vielen Jahren selbst dieses Konzept umgesetzt habe.

Hast du diese Art der Trennkost mal ausprobiert und wenn ja, wie ist es dir damit ergangen?

Über den Autor

Daniel Schröder ist 29 Jahre alt und der Gründer der Seite caloright. Er bloggt mit Leib und Seele über die Themen Abnehmen und Ernährung. Daniel reizt es besonders, auch unkonventionelle Wege zu gehen und seinen Körper bewusst an Grenzen zu führen, um so die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken. So möchte er orientierungslosen, insbesondere nach gescheiterten Diäten, seinen Weg zeigen, um aus dem Ernährungs- und Diätlabyrinth auszubrechen.

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