Ist die Wassertage-Diät sinnvoll?

By Daniel Schröder | Abnehmen

Feb 10
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Alle vier Tage einen Wasser-Tag einlegen und man nimmt ab.

Klingt einfach, oder?

Bevor du dich an diese Diät wagst, ließ dir bitte aufmerksam diesen Artikel durch. Er wird dir vermutlich einiges an Zeit und Nerven ersparen. 😉

Eigentlich bin ich zurzeit mit dem Schreiben eines anderen Blog-Artikels beschäftigt. Neulich informierte mich aber ein Bekannter, dass er seit 1-2 Wochen die Wassertage-Diät macht.

Bevor ich nun den anderen Artikel weiter schreibe, möchte ich unbedingt ein paar Worte zu dieser Diät loswerden, die mir auf der Seele brennen.

So ein Blog hat immer mehr was von einem Tagebuch 😉

Wie funktioniert die Wassertage-Diät?

Wie der Name schon andeutet, funktioniert die Diät derart, dass Wasser-Tage eingeführt werden.

Diese Wasser-Tage werden in das bestehende Ernährungsverhalten integriert. Das bedeutet, dass man sich ganz normal, wie gewohnt, weiter ernährt.

Alle vier Tage wird die gewohnte Ernährungsweise unterbrochen, indem ein Wasser-Tag eingeschoben wird.

Du kannst dir sicher denken, was an diesem Tag den Hauptbestandteil der Ernährung ausmacht.

Richtig, nämlich Wasser.

24 Stunden gilt es also, nichts zu essen und auch keine kalorienhaltigen Getränke zu sich zu nehmen. Im Grunde ein Tag mit der Flasche Wasser als Begleitung.

Das Spiel wird dann für um die 10 Wochen durchgezogen.

Und das war’s im Grunde auch schon, wenn ich mich auf die wesentlichen Punkte beziehe.

Eins kann man dieser Diät also lassen, verstehen tut sie jeder. Und all zu kompliziert in der Umsetzung ist sie auch nicht.

Wirkt die Wassertage-Diät?

Das ist natürlich abhängig von deinen Zielen.

Möchtest du nur kurzfristig abnehmen und ist es dir egal, nach der Diät wieder zuzunehmen? Ist dir egal, was du abnimmst (ob Wasser, Fett oder Muskulatur)?

Wenn du diese Fragen mit JA beantwortest, dann könnte man sagen, die Diät funktioniert.

Ist dein Ziel hingegen auf eine langfristige Gewichtsreduktion ausgelegt und möchtest du einen JoJo-Effekt vermeiden? Möchtest du nachhaltig auch dein Gewicht halten? Ist es dir wichtig, dass du deine Muskulatur erhältst und stattdessen hauptsächlich Fett abnimmst (und auch kein Wasser)?

Wenn dem so ist, dann rate ich dir dringend, die Finger von dieser Diät zu lassen. Denn hier muss man ganz klar sagen, dass die Wassertage-Diät nicht funktioniert!

Warum nimmt man in der Wassertage-Diät ab?

Nun, angenommen du gehörst zu dem Personenkreis, der trotz der Nachteile Interesse an dieser Diätform hat. Vielleicht befindest du dich aber auch schon mitten in einer solchen Diät und bist von der Wirkung überzeugt, weil du damit schon ein paar Kilos abgenommen hast.

Wie oben schon geschrieben, funktioniert diese Diät.

Aber nur für kurze Zeit.

Der Grund, warum du abgenommen hast, ist folgender.

Betrachten wir die Diät ganz nüchtern, so können wir festhalten, dass an den Wasser-Tagen keine Kalorienzufuhr stattfindet.

Gehen wir ferner davon aus, dass du zwar übergewichtig bist, aber dein Gewicht ungefähr hältst. Deine Kalorienzufuhr könnte bei täglich 3000 kcal liegen, was einem Wochenverbrauch von 21.000 kcal entspräche.

Ziehen wir davon nun 3000 bis 6000 kcal ab (weil es in der einen Woche 1 Wasser-Tag geben wird und in der darauffolgenden 2 Wasser-Tage).

Rechnen wir also mit dem Schnitt, nämlich 5.000 kcal, um die du jede Woche deine Kalorienzufuhr reduzierst (Ausgangslage ist die normale Ernährung mit 21.000 kcal).

Merke!
Du erinnerst dich, als aufmerksamer und begeisterter caloright-Leser, dass 1 kg Körperfett ungefähr 7.000 kcal entspricht.

Das wiederum entspricht gerundet ca. 715 g Körperfett, die du in einer Woche abnimmst.

Die meisten werden aber bereits nach den ersten 10 Tagen gute 5 kg abgenommen haben. Was hat es damit auf sich?

Jetzt kommt der unangenehme Teil für die, die bereits mitten in dieser Diät sind.

Vor kurzem habe ich in diesem Artikel über die verschiedensten Einflussfaktoren auf das Körpergewicht geschrieben. Ohne es aktiv zu provozieren, hat unser Körpergewicht schon täglich teils enorme Schwankungen.

Mal sind es vielleicht wenige hundert Gramm und mal bis zu 2 kg Gewichtsunterschied. In dem genannten Artikel schrieb ich, dass diese kurzfristigen Gewichtsschwankungen nicht auf Körperfettverlust oder -zunahme zurückzuführen sind. Zumindest nicht größtenteils.

Durch beispielsweise Magen-, Darm- und Blaseninhalt lässt sich ein enormer Gewichtsunterschied darstellen. Des Weiteren haben Glykogenspeicher einen enormen Einfluss, indem sich die Speicher mit Glykogen füllen oder leeren.

Zusätzlich ist es so, dass auch Glykogen selber Wasser bindet und somit die Gewichtsschwankungen potenziert.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Einflüsse. Aber in dem obigen Absatz ist schon alles enthalten, was uns die Gewichtsschwankungen erklärt.

Gehen wir die Punkte mal durch:

Mageninhalt:
An Mageninhalt nehmen wir selbstverständlich an dem Wasser-Tag ab. Und zwar gänzlich.

Darminhalt:
Der Darminhalt wird sich vermutlich ebenfalls verringern.

Blaseninhalt:
Dieser wird durch die vermehrte Aufnahme von Flüssigkeit mehr gefüllt sein. ABER nur sehr kurzzeitig. Wir werden dafür auch öfter wasserlassen. Im Grunde ist der Füllstand also mehr oder weniger so ausgeglichen, wie an jedem anderen Tag.

Glykogenspeicher:
Füllen sich an allen Tagen, außer an den Wasser-Tagen. Im Gegenteil, an Wasser-Tagen werden die Glykogenspeicher angesprochen, um den Organsimus am Laufen zu halten. Sie reduzieren sich demnach ebenfalls.

Was stellen wir fest?

Wir haben ein ähnliches Bild wie bei einer extremen low carb Diät, einer Kohlsuppendiät oder ähnlichen Diäten. Hier nur mit der Besonderheit, dass sich Schwankungen wirklich von Wasser-Tagen zu Nicht-Wasser-Tagen ergeben können.

Ganz wichtig ist also vorab, sich einen genauen Tag auszusuchen, an dem man sich wiegt. Wenn man sich heute vor dem Wasser-Tag wiegt und beim nächsten Mal nach dem Wasser-Tag, dann bringt dieses Vorgehen natürlich gar nichts.

Also wenn überhaupt, dann entweder immer am Tag vor dem Wasser-Tag, an dem Tag selber oder dem Tag danach. Immer im gleichen Zustand.

Wenn du die anderen Blog-Artikel schon gelesen hast, wirst du wissen, dass ich grundsätzlich bei solchen Projekten (besonders in der Anfangsphase) dazu rate, sich täglich zu wiegen.

Wenn du dich für meine Gründe dafür interessiert, ließ dir gerne diesen Blog-Artikel durch.

Ist die Wassertage-Diät sinnvoll?

Um es vorweg zu nehmen: Nein.

Oben habe ich geschrieben, dass ein gewisser Anteil an Fettverlust sicher auf diese Art und Weise stattfindet. In dem Beispiel schrieb ich von ca. 700 g pro Woche.

Es gibt jetzt zwei Probleme, die uns diese schöne Zahl mit fortlaufender Zeit zu Nichte machen.

Problem 1)

Natürlich werden wir nicht jede Woche genau Gewicht X abnehmen.

Anfangs wird der Fortschritt besser erkennbar sein und mit der Zeit abnehmen. Denn was wir machen, ist, unseren Grundumsatz zu reduzieren.

Das bedeutet, unser Körper wird sich an die reduzierte Kalorienmenge mit der Zeit, langsam aber sicher anpassen.

Die Frage ist nun, was sollen wir machen, um weiter abzunehmen? Einen weiteren Wasser-Tag einführen? Die Frage solltest du dir stellen, wenn du ernsthaft mit dieser Diät anfangen möchtest.

Und eine Antwort solltest du auch haben 😉

Problem 2)

Ergibt sich eigentlich aus Problem 1.

Wenn wir die Diät weiter durchspielen, werden wir irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem wir zu unserer gewohnten Ernährungsweise zurückkehren.

Leider passiert das, wie in sämtlichen anderen Diäten auch, viel zu schlagartig.

Meinst du, du könntest diese Wasser-Tage über 10 Wochen oder länger durchhalten?

Wenn ja, dann Glückwunsch.

Aber nicht zu früh gefreut. Du weißt jetzt, dass sich der Grundumsatz leicht reduziert hat. Irgendwann stagniert die Gewichtsreduktion und an dem Punkt kann man davon ausgehen, dass sich der Körper an den verringerten Kalorienbedarf angepasst hat.

Wenn du jetzt zu schell in alter Essgewohnheiten zurückkehrst, dann bekommt der Körper quasi (auf die Woche gesehen) mehr Nahrung, als er benötigt – ergo, man nimmt wieder zu.

Das heißt nicht nur, dass mit der Zeit der Magen-, -Darm- und Blaseninhalt wieder zunimmt und dass sich die Glykogenspeicher wieder füllen und mit Wasser verbinden, sondern, dass man auch wieder Körperfett zulegt.

Alles in allem ergibt sich auf der Waage binnen weniger Tage wieder eine Gewichtszunahme, vor der sich jeder fürchtet.

Falls es dir noch nicht aufgefallen ist: Jetzt würdest du dich mitten im JoJo-Effekt wiederfinden.

Zum 50 kg Projekt

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Zusammenfassung

Die Wassertage-Diät ist zweifelsfrei eine Diät, die ich zu den Radikal-Methoden zähle.

Wie ich zu Radikal-Methoden stehe, weißt du sicher, wenn du meinen Blog aufmerksam ließt. 😉

Für diejenigen, die neu sind: Von Radikal-Methoden halte ich nicht viel.

Allen diesen Methoden hat gemein, dass sie völlig unpraktikabel sind und sich nicht auf Dauer in den Alltag integrieren lassen.

Mit Diäten, wie dieser Wassertage-Diät, schränkt man sich unnötig in der Lebensqualität ein und legt so die Basis, nicht lange aktiv und mit Spaß dran zu bleiben.

Unweigerlich besteht bei der Wassertage-Diät das (hohe) Risiko einer Gewichtszunahme, nachdem man in alte Essgewohnheiten zurückkehrt.

Dass es dazu kommt, ist nicht zuletzt dem geschuldet, dass die Gewichtsabnahme in den ersten Tagen und wenigen Wochen größtenteils nicht auf Fettverlust beruht.

Ein System, das nicht weiter intelligent angepasst werden kann, sollte nicht die Basis sein, auf der wir unsere Gewichtsentwicklung bauen.

Des Weiteren ist das Risiko nicht gerade gering, dass sich durch solch ein Ernährungsmuster die Gewohnheit entwickelt, an „normalen“ Tagen mehr zu essen, weil man ja an den Wasser-Tagen nur Wasser trinkt.

Zu den Nebenwirkungen, wie bei vielen Radikal-Methoden, zählen außerdem Faktoren wie die Verminderung der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit. Im Falle der Wassertage-Diät schließlich speziell an den Tagen, an denen man nichts isst.

Es gibt viele einfachere Möglichkeiten, ein Übergewicht zu kontrollieren und zu reduzieren. Dazu müssen wir uns keiner unnötig umständlichen Radikal-Methoden bedienen.

Wie schon oft erwähnt, ist das Mantra dieses Blogs eine kontrollierte Reduzierung der Kalorienaufnahme und Anpassung der Makronährstoffaufteilung. Außerdem sollte man das Pareto-Prinzip ebenfalls in die Ernährung integrieren.

Wie das im Detail geht, erfährst du selbstverständlich in Kürze auf diesem Blog 😉

Jetzt du! 🙂

Wie kamst du auf die Wassertage-Diät?

Was hältst du von dieser Diät-Methode?

Konntest du mit diesem Konzept (nachhaltig) Erfolge erzielen?

 

Über den Autor

Daniel Schröder ist 30 Jahre alt und der Gründer von caloright®. Er bloggt mit Leidenschaft über die Themen Ernährung, Abnehmen und Fitness. Daniel reizt es besonders, auch unkonventionelle Wege zu gehen und seinen Körper bewusst an Grenzen zu führen, um so die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken. Mit seinem Abnehmblog möchte er Orientierungslosen, insbesondere nach gescheiterten Diäten, seinen Weg zeigen, um aus dem Ernährungs- und Diätlabyrinth hinaus zu finden. Er steht für eine langfristige und kontrollierte Gewichtsreduktion.

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